Ein Glas oder eine Vase fällt auf den Boden und zerbricht. Was machen wir? Wir kehren die Scherben auf und schmeißen sie in den Müll. Vielleicht ärgern wir uns, weil es ein Erbstück oder ein Andenken an einen schönen Urlaub war. Doch wer käme auf die Idee, die Keramik reparieren zu lassen? In Japan gibt es die Kunst des Kintsugi. Mit dieser Methode wird zerbrochene Keramik mit einem Lack geklebt, in den zum Beispiel Goldpulver gemischt wird. Die Schale wird also nicht weggeschmissen, sondern die Bruchstellen hervorgehoben und veredelt und sind so von nun an die Besonderheit des Gegenstandes. Die Methode ist Teil des Wabi-Sabi Konzeptes, das eng mit dem Zen-Buddhismus verbunden ist. Zu dem Konzept gehören zum Beispiel auch die Japanische Teezeremonie, Ikebana oder Haikus.
Der amerikanische Schriftsteller Richard R. Powell fasst Wabi-Sabi so zusammen:

„Es nährt alles, was authentisch ist, da es drei einfache Wahrheiten anerkennt: nichts bleibt, nichts ist abgeschlossen und nichts ist perfekt.“

 

Was wäre, wir würden dieses Konzept auf unsere Persönlichkeit und damit unser Team und unsere Organisation anwenden?

Scheitern und Fehler wären fortan keine Makel, die es zu vertuschen oder zu verheimlichen gilt, sondern das, was einen Menschen besonders macht. Erlebtes, Erfahrungen und der eigene Weg würden gewürdigt und sichtbar gemacht, es wäre genau das, was es ist, nämlich die individuelle Besonderheit.

Noch einen Schritt weiter würden Fehler in Projekten und der täglichen Arbeit normal, lediglich der Umgang mit ihnen entscheidet über die Entwicklung des Teams und des Unternehmens. Ein bereits sehr entwickeltes Team scheitert nicht unbedingt mit einem Lächeln im Gesicht, aber mit dem tiefen Wissen und Verständnis, dass es normal ist, dass es eine Erfahrung ist, die gemacht werden sollte, dass Fehler zu den Leitplanken gehören, die am Weg stehen, um zukünftig auch zu schützen. Oft nicht sehr viel mehr. Es muss nicht aus allen Fehlern und jedem Scheitern zwangsläufig gelernt werden, manchmal ist man auch einfach froh, die Situation halbwegs unbeschadet überstanden zu haben. Wenn dann doch das ein oder andere Mal Kierkegaards Satz gelebt wird, dann ist es natürlich ein großer Glücksmoment:

„Das Leben kann nur in der Schau nach rückwärts verstanden, aber nur in der Schau nach vorwärts gelebt werden.“

Nichts ist perfekt, nichts bleibt, nichts ist abgeschlossen. Ein Prinzip das Unternehmen wie Wikipedia sich zunutze gemacht haben, ebenso wurde es in agiler Softwareentwicklung implementiert.
Vielleicht fragen Sie sich nun, was das Konzept mit Ihrer Arbeit zu tun hat? Folgende Fragen könnten Sie unterstützen:

Wenn nichts bleibt, nichts abgeschlossen und nichts perfekt ist, was könnte ich ab sofort einfach lassen?

Oder:

Wenn ich mit meinem Team/Projektpartner/Kollegen „nichts bleibt, nichts ist abgeschlossen und nichts ist perfekt“ betrachte, was hieße das ab sofort für uns? Und was wollen wir jetzt ändern?

Und wenn Ihnen jetzt doch eher die zerbrochene Vase Ihrer Großmutter durch den Kopf geht, die Sie gerne repariert hätten, dann wenden Sie sich an http://www.kintsugistudio.com. Stephan Dreschner wird Ihnen sicher gerne helfen und hat seine Werkstatt, ganz passend, in der Nähe von Meißen.

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