Nichts tun. Einfach nur atmen.

Hätten Sie mir vor gut 10 Jahren gesagt, dass ich heute etwas über den Atem und Meditation schreibe, ich hätte vermutlich laut gelacht. Es begaben sich dann zwei bis drei „Zufälle“ und ich hörte einen Satz, der mein gesamtes Leben veränderte, der mich auf den Weg meiner Entwicklung brachte und sicher der entscheidende Anstoß war. Dieser Satz veränderte mich, mein Leben, mein Denken, meine Arbeitsweise, nahezu alles, was ich heute bin. Welcher Satz das war, das erzähle ich in diesem Video.

Und gerade weil ich um diese Erfahrung weiß, kann ich schreiben: Nichts tun, einfach nur atmen.

Das ist kein esoterischer Kram, es ist kein Hokuspokus. Es ist der schnellste Weg, um zu sich zu kommen, Ruhe zu finden, Klarheit zu erlangen. Um dann fokussiert und konzentriert zu arbeiten, zu handeln, zu kommunizieren.

Ich bin auf meinem Weg übrigens nicht „weiter, höher oder besser“ als andere Menschen, ich habe nur für mich verstanden, dass der Atem mein Werkzeug ist, dass ich jederzeit bei mir habe, mir 24 Stunden am Tag zur Verfügung steht und ich sofort, direkt und hier, abrufen kann, wenn es turbulent wird. Manchmal auch, um mich zum Beispiel auf einen Vortrag vorzubereiten, mich zu fokussieren oder wenn mir ein gerade die roten Ampeln auf die Nerven gehen, weil ich schnell mein Ziel erreichen möchte. Meditation ist nicht das Sitzen auf einer rosaroten Wolke, sind nicht die Menschen, die mit einem Dauergrinsen durch die Welt gehen, sondern Meditation und die Konzentration auf den Atem sind die Minuten, die mich ankommen lassen. Hier und jetzt – und das heißt bei weitem nicht, dass mir die Situation immer gefällt, sie ist einfach nur. Nicht mehr, nicht weniger.

In Zeiten, in denen wir von einem immer hektischer werdenden Alltag sprechen, meinen wir oft, dass es die großen Veränderungen sind, die für Stress sorgen, doch ich behaupte, unser Leben besteht nicht nur aus diesen Momenten. Es sind die vielen kleinen Situationen, die an uns zerren: Wir bauen vielleicht unsere Selbstständigkeit gerade auf oder aus und bemerken, wie sich die private Zeit mit unseren Liebsten immer mehr verkleinert. Unsere Eltern werden älter und damit vielleicht auch pflegebedürftig, die Rollen verändern sich, wir sind nicht mehr Kinder, sondern übernehmen jetzt in dieser Konstellation eine neue Rolle. Wir merken, dass unser eigener Körper nicht mehr so fit ist, wie noch vor 20 Jahren, wir länger benötigen, um wieder Ruhe einkehren zu lassen oder Krankheiten auszukurieren, von neuen Leiden gar nicht zu sprechen. Wir sind genervt, wenn unser Flugzeug Verspätung hat, wenn die Technik uns ein Schnippchen schlägt und das Projekt viel später als erwartet online gehen kann. Menschen, mit denen wir arbeiten, kommen Aufgaben nicht nach, deren Ergebnisse wir aber dringend für weitere Schritte benötigen und das Auto müsste auch in die Werkstatt, um die Winterreifen aufziehen zu lassen.

Es sind viele Kleinigkeiten, die in Summe unser Leben ausmachen, die uns manchmal nerven, uns traurig stimmen und in denen wir uns wünschen, dass dieser alltägliche Wahnsinn doch bitte etwas abflaut. Und genau hier hilft der Atem, die Konzentration auf den Moment. Diese Minuten verändern nicht das Außen, nicht die roten Ampeln, nicht die Technik, schon gar nicht andere Menschen. Aber er hilft, uns zu besinnen. Auf das Wesentliche, auf das Jetzt, auf das, was wirklich ist.