An Stichworten wie „Digital Leadership“, „New Work“ oder „Agil und auf Augenhöhe“ kommt man im Jahr 2018 als Führungskraft und Unternehmer nicht mehr vorbei. Schöne Begriffe, unter denen viele Menschen ganz Unterschiedliches verstehen. Noch mehr Führungskräfte haben erhebliche Zweifel, ob dieser Arbeits- und Führungsstil wirklich der bessere Weg ist. Denn es geht es um viel mehr, als um die Bürozeit zwischen 9.00 Uhr und 18.00 Uhr, ist es doch tatsächlich eher eine neue Form des Lebens, des Seins und des Umsetzens der eigenen Werte, Talente und Potenziale.

In Zeiten, in denen Burn- und Bore-Out längst keine Schlagzeilen mehr machen, in denen 70-Stunden-Woche und ständige Erreichbarkeit für einige Menschen Normalität, für andere Menschen ein abschreckendes Beispiel sind, in denen Führungskräfte an ihre eigenen Grenzen gebracht werden und Kontrolle zwar auf allen Wegen möglich ist, aber längst nicht als Allheilmittel einsetzbar ist, ist klar: wir sind längst mittendrin im Wandel, hin zum Industriezeitalter 4.0.

Wie dieses konkret aussehen wird, weiß dabei noch niemand wirklich, doch Themen wie „Achtsames Führen“, „Verteilung von Verantwortlichkeiten“ und „Sinnfrage“ begegnen uns dabei immer öfter – kein Wunder, denn sind es doch auch diese Eckpfeiler, auf denen spätestens die nächste Generation ihr (berufliches) Leben ausrichten wird.
Doch ein Wandel ist immer auch Veränderung, die nicht allen Menschen leichtfällt, die mit vielen Stolpersteinen bestückt ist, die nicht nur die großen Global Player bewerkstelligen müssen, sondern auch die vielen kleinen und mittleren Familienunternehmen im gesamten D-A-CH Gebiet.

Hin zur Führung mit Bewusstsein ist die neue Führungskraft eher Coach als Leitwolf. Einer Studie des Management Zentrums St. Gallen zufolge glauben 82 Prozent der befragten Manager, dass ein radikaler Wechsel im Managementdenken erforderlich ist. Managementmodelle, die durch Gier und durch Selbstausbeutung gekennzeichnet sind, gehören schon bald der Vergangenheit an – glaubt man zahlreichen Vorreitern der Branche.

„New Work“ – mehr als Co-Working, Cloud und interaktive Teamarbeit


Die zukünftige Arbeitskultur wird weg von Hierarchien und hin zu Netzwerken gehen, weg von Kontrolle und hin zu mehr Verantwortung jedes Einzelnen, weg von der Planung und hin zu Iteration und Experimenten. Weg von Profit und hin zu Sinn, Werte leben, Teamarbeit erleben und offener Gesprächs-,Fehler- und Feedbackkultur. Was sich leicht und vielleicht träumerisch liest, wird sich in der Praxis beweisen müssen. Es wird sich zeigen, welche Hindernisse wie gelöst werden konnten.

Die Führungskraft der Zukunft wird sich mit ihren Mitarbeitern selbstverständlich auf Augenhöhe austauschen, wird sich fragen, wie sie ihre Mitarbeiter darin unterstützen können, ihr Potenzial zu leben und wird als Basis für ihre eigene Arbeit die bewusste Selbstführung nutzen.

Es geht bei „New Work“ nicht um eine neue Methode oder Technik, es geht vielmehr um eine neue und andere Haltung, um authentisches Miteinander, um das Leben von Sinnhaftigkeit und Nachhaltigkeit – bei jedem einzelnen Menschen, im Team und in der Organisation.

Die zukünftige Führungskraft wird sich zwingend mit der Potenziale, Entfaltung ihrer Mitarbeiterinnen kümmern müssen. Talentförderung, Entwicklung eigener Werte, Kommunikation und Konfliktmanagement sind Themen, die immer wichtiger werden. Hingegen wird der von Führungskräften oft gefühlte Zwang, bei den Mitarbeiterinnen Motivation auslösen zu müssen, nicht mehr das große Thema sein. Denn die Menschen werden nicht mehr (ausschließlich) arbeiten, um Geld zu verdienen, sondern zunehmend um Sinn zu stiften, den eigenen Werten entsprechend arbeiten und ihren Talenten und Leidenschaften folgen. Vertrauensbildung und Transparenz der Entscheidungen werden keine leeren Worthülsen sein, sondern konkret gelebtes „New Work“.

Bewusstsein und achtsame Selbstführung werden in Zukunft zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren gehören, um am und im Arbeitsmarkt als Führungskraft und Unternehmer zu bestehen. Die Führungskraft der neuen Generation ist Vorbild und lebt vor, statt Richtlinien vorzugeben. Permanente Veränderung wird etwas Normales sein, das angestrebt wird und das nicht ängstlich betrachtet oder gar gemieden wird.

Körper, Geist und Seele sind eine Einheit – wer noch vor Jahren über Meditation in Unternehmen gelächelt hat, schaut heute auf Vorreiter wie z. B. SAP, dm oder Upstalsboom. Nur bewusste, ausgeruhte und fokussierte Führungskräfte können zukünftig sich und somit auch andere erfolgreich führen. Sinn- und Ressourcen-orientierte Führung auf Basis von gemeinsamer Identifikation erzeugt erfolgreiche Unternehmen, das ist eine sich zunehmend durchsetzende Einsicht und wird in manchen Unternehmen bereits erfolgreich praktiziert.

Coworking Space, Homeoffice: erlaubt ist, was gefällt – und erfolgreich ist.

Foto: Statista 2017

 Mit der neuen Art der Arbeit halten auch neue Räume Einzug in die Unternehmen. Tablet und Co. machen es längst möglich, dass Home-Office Normalität ist und dass Menschen ortsunabhängig miteinander arbeiten. Scrum und Design-Thinking dürfen zukünftig als Methoden sicher nicht fehlen. Nicht nur Räume und Methoden ändern sich, selbstverständlich betrifft dies auch die Arbeitszeiten. Beruf und Familie im Einklang leben zu können, wird zukünftig nicht nur den Frauen vorbehalten sein, immer mehr Männer wollen sich auch privat in ihren Familien einbringen. Durch die ständige Erreichbarkeit wird es umso wichtiger, dass jeder Mensch in der Lage ist, sich gut zu organisieren und auf seine eigene Balance zu achten, was wiederum die Beschäftigung mit Meditation und Themen wie Achtsamkeit noch wertvoller macht.

Der Wandel – und die Herausforderung

Die Führungskräfte und Unternehmer der nächsten Generation, vielleicht sogar im wahrsten Sinne des Wortes, sind mutige Menschen, die bereit sind, andere Wege mit ihrem Unternehmen und ihren Teams zu gehen.

  • Sie sind sich aber über das neue Terrain bewusst und gehen daher den Weg nicht schnell, sondern eher langsam, aber bewusst und nachhaltig.
  • Sie wissen, dass Kulturwandel Zeit und Mut braucht, gute Kommunikation und eine offene, konstruktive Fehlerkultur.

Die neuen Führungskräfte investieren daher viel Zeit in sich und die Menschen, um das Potenzial aller Beteiligten nicht nur zu sichern, sondern langfristig und nachhaltig zu erhöhen.