Eines der größten Hindernisse für wirksame Führung ist, mit der uns zur Verfügung stehenden Zeit angemessen umzugehen. Das betrifft persönlich unsere Lebenszeit, aber auch die tägliche. Zeit ist das, was keiner hat – dabei nehmen sich die meisten Menschen einfach nur wenig davon für sich selbst. Da ist spontan schnell etwas in die Tastatur gehauen und abgeschickt, während man sich schon einige Minuten später dafür verflucht. Zeit und Aufmerksamkeit sind Zahlungsmittel. Beides sollten wir geben, wenn wir dafür etwas erhalten. Zufriedene Mitarbeiter, zum Beispiel.

Führung benötigt Zeit – in jeder Hinsicht

Zeit für gute Führung benötigen wir z.B. für Gespräche, für Feedback, für Kritik, für Lob, für Brainstorming, für Differenzierung in einer Welt, in der wir dazu neigen, alles in einen Topf zu werfen. Zeit und Aufmerksamkeit können wir nur begrenzt geben, richtig eingesetzt sind sie aber unser wertvollstes Gut. Bevor Sie nun glauben, dass ich Ihnen aktuelle Zeitmanagement-Tools vorstelle, möchte ich Ihnen nur einen Hinweis auf eine Methode geben, die Ihnen immer und überall zur Verfügung steht, Sie nichts kostet und dennoch unbezahlbar ist: Meditation. Dieses Mittel habe ich in der oben beschriebenen Zeit mit dem neuen Team auch immer wieder genutzt, um zu mir zu kommen, um Zweifel wahrzunehmen und auszuhalten, und um mich in der Zeit, in der unklar war, ob wir miteinander erfolgreich sein würden, zu stabilisieren, und mich immer wieder ins Hier und Jetzt zu bringen.

Immer wieder nur atmen. Zwei Minuten. Und Sie werden zunehmend bemerken, wie sich automatisch das Wesentliche vom Unwesentlichen trennt, Sie intuitiv in die Situationen und zu den Menschen in Ihrem Unternehmen geführt werden, die Sie als Gefährten benötigen. Achtsamkeit lohnt sich jeden Tag. Das liest sich so simpel, dass Sie vielleicht glauben könnten, diese Einladung nicht ganz ernst nehmen zu können. Nun sei Ihnen dies unbenommen, doch es wäre mir eine große Freude, wenn Sie es für zwei Wochen ausprobieren:

Meditieren Sie jeden Morgen, 15 bis 25 Minuten direkt nach dem Aufstehen. Und während des Tages wiederholt in kleinen Pausen, bei Ihnen im Büro oder auf dem Firmengelände. Sie merken schon, ich lasse nicht locker.:)

Um wirksame Führung ausüben zu können, benötigen Sie selbst zunächst eine stabile Ausgangslage. Wichtig ist die Klärung der eigenen Führungsmotivation und die konkrete Vorstellung, was Sie von Führung erwarten und mit ihr erreichen möchten. Diese eigenen Vorstellungen treffen auf die individuelle Realität der Mitarbeitenden, die zunehmend stark von einem Wertewandel geprägt ist. Die Mitarbeitenden erwarten konkret die Erfüllung ihrer eigenen Vorstellungen und dass sich die erlebte Führung an einem erkennbaren Sinn orientiert.

Diese beiderseits hohen Ansprüche an die Führung gilt es im Rahmen eines echten Kontakts auszuloten, auszubalancieren und auszuhalten. Die wesentlichen Komponenten von echtem Kontakt sind Empathie, Resonanz und Resilienz.

Im Rahmen dieses Führungskontaktes kann Ihnen regelmäßig Ihr eigenes Ego dazwischenfunken und hinderliche Verhaltensweisen oder eine begrenzende, nicht-hilfreiche Kommunikation auslösen. Ein möglicher Weg, zu Gemeinsamkeit und Verständnis füreinander zu kommen, ist eine konstruktive, das Ego zurückstellende, Kommunikation, z. B. mit der Haltung und auf Basis der „Gewaltfreien Kommunikation“.

Aufgrund der Komplexität der Individuen gibt es keine gültige Definition (mehr) für gute oder schlechte Führung. Der verbleibende Maßstab ist stattdessen die Frage, ob Ihre Führung zu gewünschten inhaltlichen und unternehmerischen Ergebnissen führt. Hierfür ist ein empathischer und gleichzeitig präziser und klarer Abgleich der jeweiligen Vorstellungen, Wertmaßstäbe, Bedürfnisse und Ziele unbedingt erforderlich. Gelassenheit und innere Stabilität bei Ihnen als Führungskraft sind für diese Klärung eine notwendige Voraussetzung. Die zusätzlich erforderlichen Komponenten sind außerdem Zeit und Raum, die Sie sich nehmen und dem Anderen schenken. Wirksame Führung kann nicht zwischen Tür und Angel geschehen. Sie erfordert volle Präsenz, sowohl bei der inneren Haltung als auch in der physischen Realität.