Führung beginnt mit einer einfachen Frage
Ich führe. Will ich das wirklich?
Diese Frage wirkt zunächst banal. Und sie ist zugleich grundlegend. Führung kann Freude machen, sie kann Sinn stiften und sie kann Wirksamkeit erzeugen. Führung kann aber auch anstrengend sein, Zeit kosten, Energie binden, einschränken. Beides ist wahr.
Was Führung bedeutet, ist keine theoretische Größe. Es ist gelebte Wirklichkeit. Die eigene Haltung dazu prägt das tägliche Handeln. Manche Menschen führen gern, andere führen, weil sie führen sollen. Wieder andere zweifeln. Sie haben wenig Erfahrung oder schlechte gemacht. Vielleicht entstand das Gefühl, dass andere nicht mehr folgen, dass Worte nicht mehr tragen und dass Unsicherheit bleibt.
Auf dieser Basis lässt sich schwer führen, so ein gängiges Urteil. Häufig folgt dann der Rat, sich weiterzubilden, zum Beispiel durch ein Training oder eine Ausbildung. Das kann hilfreich sein und doch greift es zu kurz. Denn Führung beginnt tiefer.
Ein erster Schritt ist das Zulassen dessen, was da ist: ob Unsicherheit, Zweifel oder Angst. Auch fehlende Erfahrung kann ein Faktor sein. All das darf wahrgenommen werden, ohne sofortige Bewertung oder Korrektur. Das Denken meldet sich schnell. Es urteilt, relativiert und kontrolliert. Das ist seine Aufgabe. Doch nicht alles, was gedacht wird, ist handlungsleitend.
Entscheidend ist zunächst das Bewusstwerden. Was ist Führung im eigenen Verständnis? Welche Bilder tauchen auf? Welche Erinnerungen oder inneren Reaktionen? Es geht nicht um Antworten. Es geht um Wahrnehmung, ohne Bewertung. Atmen genügt.
Die Gedanken, die dabei entstehen, sind kein Zufall. Sie zeigen, wo jemand gerade steht und markieren Wegpunkte. Wer sie festhält, erkennt Bewegungen und Entwicklung. Beides verläuft nicht linear, sondern in Schleifen. Von innen nach außen und immer wieder zurück.
Der Weg ist individuell und folgt keinem festen Plan. Wenn er im eigenen Wesenskern verankert ist, ist er stimmig. Auch mit Brüchen oder Umwegen. Führung entsteht nicht aus Perfektion, sondern aus Klarheit über sich selbst.
Auf diesem Weg helfen Leitplanken. Sie geben Halt, Orientierung – und schützen. Vor überhöhten Erwartungen, zu viel Aktionismus oder Euphorie, die nicht trägt. Leitplanken sind keine Einschränkung. Sie sind ein Rahmen für die führende Person. Und für die Menschen, die geführt werden. Denn Führung geschieht immer, ob bewusst oder unbewusst. Auch der Rückzug wirkt, genau wie das Zögern und das Nicht-Entscheiden. Führung lässt sich nicht aussetzen – nur gestalten.
Selbstführung bildet dabei den Ausgangspunkt. Ohne sie bleibt Führung im Außen instabil. Doch auch dieser Prozess verläuft nicht geradlinig. Wer im Außen wirksam wird, wird erneut nach innen geführt. Spätestens dann, wenn Teams geführt werden und neue Dynamiken entstehen. Wenn Fragen auftauchen, die zuvor keine Rolle spielten. Dieser Kreislauf ist normal. Entwicklung verläuft nicht von Kapitel zu Kapitel. Sie bewegt sich. Der innere Impuls wirkt nach außen und kehrt zurück.
Deshalb betrifft Entwicklung nie nur Einzelne. Sie erfasst Teams, genauso wie ganze Abteilungen oder Organisationen, unabhängig von ihrer Größe. Fünf oder fünfhundert Menschen machen hier keinen Unterschied. Entscheidend ist, ob Entwicklung zugelassen wird. Und ob Führung als innerer Prozess verstanden wird. Nicht als Rolle, sondern als Haltung.








